Sonne und Meer - nach langem Hin und Her...

So viele Änderungen in der Tourenplanung wie bei unserer diesjährigen Ostertour gab es noch nie: Ursprünglich war geplant, nach Fontainebleau zum Bouldern zu fahren, angesichts des Wintereinbruchs Ende März entscheiden wir uns aber doch dazu, in ein wärmeres Gebiet südlich der Alpen auszuweichen. Als Ziel legen wir uns erstmal aufs Tessin fest, stellen aber bald darauf fest, dass die Campingplätze dort vor Ostern noch nicht geöffnet haben. Nach erneuter Umplanung  soll es nach Osp in Slowenien gehen, von wo aus wir mehrere Gebiete an der Adriaküste besuchen wollen – der Wetterbericht macht uns aber kurz vor Tourenbeginn einen Strich durch die Rechnung. Nach intensiver Studie sämtlicher verfügbarer Wettermodelle und -Karten entscheiden wir uns am Abend bevor es losgeht schließlich für Finale Ligure.

Von Campingplatz zu Campingplatz

Wir haben im Voraus einen Stellplatz auf dem neuen Campingplatz am Monte Cucco reserviert – als wir abends dort ankommen stellt sich aber heraus, dass wir mit unserem großen Auto keine Chance haben dort reinzufahren und zu parken. Zudem ist der Platz bereits sehr voll und es sind keine schönen Plätze mehr für unser recht großes Gruppenzelt frei.

Bei Google Maps sind schnell mehrere Alternativen gefunden, da es schon recht spät ist gestaltet sich die Suche nach einem neuen Platz aber doch noch recht spannend. Wir fahren mit dem Auto an zwei Plätzen vorbei an denen wir aber nur verschlossene Tore vorfinden. Vielleicht ist es schlauer, erstmal anzurufen und nachzufragen? Leider sprechen wir aber kein Italienisch und die Leute in Finale Ligure anscheinend kein Englisch. Nach einem recht verwirrendem Telefonat fahren wir dann doch nochmal einfach bei einem Platz vorbei, schon mit dem Hintergedanken notfalls einfach am Strand zu biwakieren. Zum Glück bekommen wir hier aber schließlich doch noch einen schönen Stellplatz für die folgende Woche!

Unser gemütlicher Lagerplatz.

Fels mit Aussicht

Am nächsten Morgen finden wir im Führer schnell eine passende Wand für unseren ersten Felsklettertag des Jahres. Der Zustieg führt durch kleine Straßen und Gassen den Berg hinauf und am Castel S. Giovanni vorbei.

Während des kurzen Zustiegs hat man einen schönen Blick über die Ortschaft Finalborgo. Schon nach wenigen Minuten erreichen wir unser Klettergebiet.

Aussicht über Finalborgo.

Zehn Ruten, alle ungefähr in den Graden 6A bis 6B, bieten uns ausreichend Möglichkeiten um uns erstmal einzuklettern. Am Umlenker wird man außerdem mit einer tollen Aussicht über die Berge aufs Meer belohnt!

Nach dem Klettern besuchen wir noch den Sandstrand von Finale Ligure, wo wir den Tag bei bestem Wetter ganz entspannt ausklingen lassen.

Der Strand von Finale Ligure.

Calamari Fritti

Wir haben ein paar Angeln dabei und uns vor der Tour schon informiert, was es an der Küste Liguriens so zu fangen gibt. Nach einem kurzen Besuch im lokalen Angelladen sind wir mit passenden Ködern und jeder Menge Halbwissen zum Calamari-Angeln ausgestattet. Mit Hilfe von online Wörterbüchern und Google bekommen wir vom Betreiber des Ladens sogar noch einen echten Geheimtipp für einen vielversprechenden Angelplatz.

Viele Erwartungen haben wir nicht, bei Sonnenuntergang fangen wir dann aber direkt fünf Calamari innerhalb von 15 Minuten! Das sollte reichlich Calamari-Ringe fürs Abendessen geben…

Der erste von fünf Calamari!

Wieder mit der Hilfe des Internets machen wir uns am Campingplatz daran die Fische vorzubereiten. Das nahegelegene Restaurant schenkt uns etwas Mehl zum frittieren und die Kids machen sich daran, die Calamari Fritti zuzubereiten.

Sehr lecker und maximal frisch! Als zweiten Gang gibt es noch etwas Pasta mit selbstgemachter Soße.

Parete Dimenticata

An mehreren Tagen besuchen wir das Klettergebiet Parete Dimenticata das mehr als 40 Routen in allen Schwierigkeitsgraden zu bieten hat. Im rechten Sektor findet man außerdem den Eingang zu einer großen Grotte, mit mehreren überhängenden Touren im Grad 7A.

Der Zustieg zum Klettergebiet.

Erstmal ist jedoch Aufwärmen an den nicht so steilen Routen angesagt.

Rechts, beim Eingang zur Grotta dell’Edera klettern wir als erstes eine leicht überhängende Route im Grad 6B namens Mutarbaku. Die Tour ist durchgehend anspruchsvoll, mit zwei Schlüsstelstellen – eine davon kurz vor dem Umlenker.

Die beiden 7As versuchen wir an mehreren Tagen immer wieder, kommen allerdings bei beiden Touren nur kurz vor den Umlenker.

Im Hauptsektor können wir aber vor Ende der Tour noch mehrere Routen bis zum Grad 6C+ punkten. Der Fels ist super und überhaupt nicht abgespeckt.

Kabbelige See

Von Anfang an war geplant, für einen Nachmittag ein Motorboot auszuleihen um zum Angeln zur etwa sieben Seemeilen entfernten Isola Gallinara zu fahren. Bei unserem ersten Besuch in der Marina di Loano haben wir kein Glück, da im Bootsverleih niemand aufzufinden ist und wir auch telefonisch niemanden erreichen können. Zwei Tage später klappt es aber doch noch und wir bekommen ein Boot mit ausreichend Platz für sieben Personen und 115PS Leistung von der Tauchschule im Hafen geliehen. Leider ist der Seegang ausgerechnet an diesem Tag nicht so optimal um zum Angeln rauszufahren. Schon bei der Anfahrt an der Küste entlang konnten wir Schaumkronen auf dem offenen Meer erkennen und sehen, wie die Palmen an der Küste im Wind wackelten. Da Wind und Wellen aber von SW kommen und wir uns erhoffen, im Windschatten der Insel etwas ruhigere Bedingungen vorzufinden, packen wir unsere Angeln doch mal mit ins Boot.

Unsere geplante Strecke zur Isola Gallinara.

Die Kinder sind erst etwas genervt, dass sie die unhandlichen Schwimmwesten tragen müssen und nehmen unseren Hinweis, dass Sachen in ihren Hosentaschen nass werden können nicht ganz ernst. Im geschützten Hafen bekommt man halt noch nicht mit, wie die Verhältnisse auf offener See wirklich sind…

Als wir aus der Hafeneinfahrt rausfahren, sind wir bereits nach der ersten Welle komplett nass. Auch bei den darauffolgenden Wellen geht jeweils eine ordentliche Ladung Gischt übers Boot und wir haben bald die Nase voll von Salzwasser (wortwörtlich). Weil wir gegen Wind und Wellen anfahren, bräuchten wir wohl knapp eine Stunde bis zur Insel – von hier aus könnten wir zwar recht entspannt mit dem Seegang zurück fahren, bis wir ankommen würden, wären wir aber wohl komplett durchgefroren. Kann man machen, muss man aber nicht. Wir entscheiden uns also direkt in den Hafen zurück zu fahren. Die Leihgebühr für das Boot ist zwar weg, wenigstens müssen wir aber keinen Treibstoff zahlen und die Aktion hat trotzdem mega viel Spaß gemacht und war für alle ein echtes Erlebnis (und kaum teurer pro Person als eine Achterbahnfahrt auf der Wiesn)!

Noch geht es recht gemütlich voran.
Die Cap wird gleich davonfliegen...

Mehr Meer

Da wir sowieso schon komplett nass sind, halten wir doch nochmal kurz am Strand um in die Wellen zu springen, bevor es zur heißen Dusche am Campingplatz geht.

Till und Moritz am Strand.
Till am Strand.
Monsterwelle!
Malik war tauchen.

Alles in allem hatten wir richtig Glück mit dem Wetter – in Fontainebleau hat es die Woche fast durchgängig geregnet und in Slowenien und im Tessin war es auch nicht viel besser. Wir dagegen hatten fast jeden Tag Sonnenschein und kaum Regen. Zusätzlich ist der Kontrast vom fast noch winterlichen München zu Sonnenschein und Strand auch nochmal ein großer Pluspunkt – vermutlich werden wir Ostern in Zukunft noch öfter ans Meer fahren – vielleicht klappt es ja im nächsten Jahr mit Slowenien (und vielleicht sogar mit dem Motorbootfahren).

Ein letzter Blick aufs Meer bevor es auf die Autostrada Richtung München geht.