Es ist bereits dunkel als wir Freitagabend zum Bouldern bei Algund ankommen, weil es total warm ist entschließen wir uns aber dazu, gleich noch unsere Klettersachen zusammenzupacken und direkt bei den Felsen zu übernachten. Die Orientierung erweist sich im dunklen allerdings komplizierter als gedacht und die Angaben in unserem Kletterführer sind anscheinend nicht mehr ganz aktuell – das Hotel Burggräfler, an dem wir uns orientieren sollen, gibt es zum Beispiel schon länger nicht mehr. Zum Glück treffen wir bei unserer Suche auf eine nette Anwohnerin, die uns sogar fast bis zu unserem Ziel begleitet. Angekommen beim Hotel Avidea (so heißt das jetzt also), meint unsere Begleitung dann:“ Von hier aus werdet ihr euren Stein schon finden.“ – und sie hat Recht!

Angekommen im Sektor Knödelmann breiten wir unsere Crashpads zu einer großen Liegefläche aus und machen es uns für die Nacht gemütlich.

Vor dem Schlafen gibt es noch Tee.

Am Morgen kann man endlich erkennen wie es hier überhaupt so aussieht. Nach dem Frühstück erkunden wir die Umgebung also erstmal ganz genau. Unser Schlafplatz ist umgeben von mehreren hohen Blöcken, von denen der größte einige tolle Plattenlinien bietet. Da der „Zustieg“ hierher mit knapp einem halben Meter am geringsten ist, entscheiden wir uns dazu, uns gleich an den einfacheren Linien aufzuwärmen. Der Fels ist super, nicht zu glatt, nicht zu rau und bietet einige interessante Strukturen. Außerdem ist das Absprunggelände perfekt, weshalb wir uns dann auch an die schwerste und höchste Variante an diesem Block wagen. Es geht ungefähr vier bis fünf Meter hinauf, wobei die Schlüsselstelle ganz am Ende auf einen wartet. In Bodennähe oder in einer Boulderhalle mit dicker Weichbodenmatte wäre es sicher überhaupt kein Problem gewesen, den etwas kleineren Griff zu halten und den Boulder sogar zu flashen – hier muss man sich aber doch erstmal wieder ans draußen Bouldern gewöhnen, bis man das Vertrauen in seine Spotter und die Pads gefunden hat! Nachdem die Schlüsselstelle mehrmals angeklettert, begutachtet und geputzt wurde, hat Moritz den Boulder als erster aussteigen können.

Moritz an der Schlüsstelstelle der Platte.

Im Anschluss geht es zu einem kleinen überhängenden Block mit zwei Bouldern deren Namen beide auf Herr der Ringe anspielen. Als erstes versuchen wir den etwas einfacheren Frodo’s ass (6a+), der für den Grad wirklich alles andere als einfach zu klettern ist. Man startet an zwei schlechten Auflegern, danach zieht man wieder an zwei schlechte Aufleger, von denen aus man an einen recht passablen Seitgriff gelangt um dann über einen weiteren Aufleger auszusteigen. Hier ist Körperspannung und ein gutes Gefühl für die richtige Körperposition gefragt um ans Ziel zu gelangen.

Moritz klettert Frodo's Ass (6a+).
Fabi klettert Frodo's Ass (6a+).

Wieder in der Nähe unseres Schlafplatzes finden wir eine markante Kante mit dem Namen Wieso nit? (6a). Erst trauen wir uns nicht hinauf, da im Absprunggelände zwei Bäume stehen, dann finden wir aber doch eine Möglichkeit alles gut abzusichern und die Kletterei erweist sich als einfach und sehr genussvoll.

Nach einer kleinen Brotzeit zur Stärkung projektieren wir längere Zeit an einem der Klassiker im Gebiet, Grave cave (6c+), bei dem man überhängend, aus einer Höhle hinausklettern muss. Leider ist der Schlüsselzug an die Außenkante der Höhle sehr weit und keiner von uns findet eine gute Lösung die Stelle anders zu klettern. Trotzdem hat das Projektieren mega Spaß gemacht!

Malik versucht Grave cave (6c+).

Da unsere Finger inzwischen durchgeklettert sind und auch unsere Kraft langsam zu Ende geht, beschließen wir zusammenzupacken und uns auf den Weg Richtung Campingplatz zu machen. Bei Tageslicht ist der Weg zum Auto auf einmal ganz einfach zu finden und wir genießen den Abstieg durch die Apfel- und Weinfelder bei mediterranem Klima.

Abstieg durch die Apfelfelder.

Der Campingplatz ist genial und liegt inmitten der Apfelfelder, mit Blick auf die umliegenden schneebedeckten Gipfel! Da die Saison gerade erst begonnen hat, haben wir den Platz noch dazu fast für uns alleine. Leider wird es am Abend recht windig, und wir können nicht wie geplant nochmal unter freiem Himmel schlafen. Wir bauen also erstmal unsere Zelte auf, bevor wir alle schön warm duschen gehen.

Unser Lager am Campingplatz.

Zu essen gibt es heute Gnocchi mit selbstgemachter Tomaten/Petersilien-Soße. Da es für unseren Kocher zu windig ist, wird der Kofferraum unseres Busses kurzerhand zur windgeschützten Küche umfunktioniert und wir schneiden fleißig Zwiebeln, Knoblauch, Tomaten und Petersilie.

Nach dem Essen wird es dunkel und wir gehen schon früh schlafen. Am nächsten Tag wollen wir uns den Sektor Konrad beim gleichnamigen Cafe Konrad anschauen. Der Wind hat wieder etwas nachgelassen und wir können gut und lange ausschlafen.

Schlafenszeit.

Unsere beiden Zelte sind schnell abgebaut und nach einem gemütlichen Frühstück in der Sonne machen wir uns auf den Weg zu den Bouldern. Der Zustieg führt wieder durch Apfel- und Weinfelder, wobei man einen tollen Ausblick auf Algund und Meran hat.

Blick auf Algund und Meran.

Gleich am Wegrand finden wir den ersten Block. Hier klettern wir erst ein paar 6a-Boulder aus dem Führer zum Aufwärmen, bevor wir uns dann noch selbst eine Linie ausdenken. Man startet im Sitzen an einer großen Rampe an der man seitlich hinaufklettert. Am Ende muss man nochmal hoch antreten und aufstehen um den Zielgriff zu erreichen.

Moritz in unserem selbst definierten Boulder.

Im Anschluss probieren wir noch einige schwerere Klassiker im Bereich 7a aufwärts in der Nähe, bevor wir uns dazu entscheiden, in unserer restlichen Zeit lieber noch ein paar machbare Boulder zu versuchen. Im Führer finden wir einen vielversprechenden Block, der mehrere interessante Linien für uns bereithalten sollte. Sophia läuft schon mal vor und schaut, ob der Block wirklich was für uns ist, während die anderen die Crashpads zusammenpacken.

Am Block angekommen können wir uns kaum entscheiden was wir als erstes versuchen wollen. Hier gibt es mehrere stark überhängende Boulder mit recht guten Griffen von 6a bis 6c. Als erstes machen wir uns an Il cervo (6b), den wir schließlich fast die komplette restliche Zeit versuchen, bis wir ihn schließlich alle fast schaffen. Leider klappt der Ausstieg heute nicht mehr, aber Bouldern wäre ja auch langweilig, wenn man immer gleich alles hochkommen würde! War auf jeden Fall ein guter Fight 😉

Moritz versucht Il cervo (6b).

Nachdem wir il cervo versucht haben, klettern wir noch schnell Power of Love (6a) und Gingolino (6a), bevor es ans Zusammenpacken für die Heimfahrt geht.

Im Auto bemerken wir, dass wir eigentlich doch noch etwas Zeit haben, da die Uhr an unserer Kamera, an der wir uns orientiert haben, eine Stunde vorgeht! Wir beschließen also, noch etwas essen zu gehen, um die Tour schön ausklingen zu lassen. Leider machen fast alle Restaurants in der nächsten halben Stunde zu. Wir versuchen es bei einer Gaststätte die recht schön am Berg liegt und laut Google den ganzen Tag geöffnet haben soll. Als wir uns hinsetzen werden wir aber darüber informiert, dass die Küche gerade zumacht und wir kein Essen mehr bekommen können. Schließlich führt uns unsere Suche nach Schnitzel nach Meran, wo wir uns erst noch kurz die Stadt anschauen, bevor wir uns in den Außenbereich des Bistro Mediterraneo setzen, wo wir immerhin noch ein Tagesgericht (Couscous mit Tomaten und Rucola) und Salat bekommen. Ist zwar kein Schnitzel, aber auch nicht schlecht!

Tourenabschlussessen.

Die Rückfahrt nach München verläuft problemlos, wegen unserer kleinen Schnitzeljagd kommen wir aber trotzdem eine halbe Stunde zu spät an.

Wir hatten in Südtirol einen klasse Felskletter-Saisonstart bei bestem Wetter! Am Ende sind wir alle froh, die etwas weitere Anreise auf uns genommen zu haben, vor allem weil es an der Alpennordseite überall geregnet und gestürmt hat. Wir konnten die meiste Zeit im T-Shirt herumlaufen und sogar draußen schlafen! Gerade für Frühling und Herbst, ist Algund sicher nochmal eine Überlegung wert – wenn es bei uns zu kalt zum Bouldern ist, ist es hier meistens genau richtig!