Endlich haben wir mal wieder Glück mit dem Wetter und machen uns direkt auf den Weg zum Bouldern im Sundergrund! Die nächsten beiden Tage sind trocken angesagt, bei Temperaturen um die 20 Grad und leichter Bewölkung – also perfekt um im T-Shirt zu klettern und draußen zu übernachten.

Da wir Isomatten, Schlafsäcke, Essen und Wasser für zwei Tage sowie unsere Crashpads und Klettersachen zum Biwakplatz bei den Felsen tragen müssen, sind wir alle recht schwer beladen – an die Empfehlung, man solle maximal 1/3 seines Körpergewichts tragen, kann sich heute niemand halten… Den ca. 30 minütigen Zustieg schaffen wir aber auch so.

Schwer beladen geht es los.

Bei den Bouldern angekommen, wollen wir erst mal den Klassiker „Wackelpudding“ probieren, an dem es diverse Linien gibt, die man nicht alle im Führer findet. Als erstes machen wir die klassische Variante im Grad 6B, bei der man ganz links startet, der Kante nach rechts bis unter das Dach folgt um dann schließlich über dieses herasuzumanteln.

Als nächstes zeige ich den Kids eine Variante ganz rechts am Block, die mir mal ein Local bei einer Trainerfortbildung verraten hat: Man piazt die rechte Kante nach oben und springt dann mit beiden Händen nach hinten an die markante Nase im Dach. Dieser Dynamo lässt sich nicht statisch lösen, man ist also gezwungen sich zu überwinden und wirklich mit vollem Einsatz nach hinten wegzuspringen. Ein super Gefühl, wenn man die Nase (die man vor dem Sprung gar nicht richtig sieht) dann festhalten kann! Fabi traut sich als erstes und topt den Boulder direkt im ersten Versuch! Die anderen brauchen ein paar mehr Versuche, um sich zu überwinden – am Ende können aber auch Nici und Till den Boulder klettern.

Nici holt sich die Kante.

Nach einer kurzen Pause versuchen wir eine sehr knifflige 6B am großen Block direkt in der Nähe des Wackelpuddings. Die ersten paar Züge können wir uns zwar erarbeiten, bis zum Zielgriff reicht es aber leider bei keinem von uns. Im Zillertal kann man manchmal böse Überraschungen, auch bei 6As und 6Bs erleben!

Um uns doch noch etwas besser einzuklettern, laufen wir ein kurzes Stück weiter zu einem Block mit mehreren leichten Plattenbouldern. Hier ist gute Fußtechnik gefragt, dann sind alle Linien ohne großen Kraftaufwand machbar.

Till beim Plattenbouldern.

Weil wir eh gerade in der Nähe sind, schauen wir auch gleich beim Moonwalk-Block vorbei. Der namensgebende Boulder (7A+ direkt durchs Zentrum der Platte) wurde leider vor kurzem durch ein Feuer zerstört. Auch der Rest des Felsens hat etwas durch die große Hitze gelitten. Als die Kids „Sunstorm“ (eine 5C an der linken Kante) klettern, bröckeln immer wieder kleine Schuppen unter ihren Füßen weg.

Nici klettert Sunstorme.

Da es schon spät ist, richten wir schon mal unseren Biwakplatz her und sammeln Holz für ein kleines Feuer. Die Erlaubnis dazu haben wir uns vorher beim Bauern eingeholt.

Unser Biwakplatz mit Feuerstelle.

Als es dunkel wird lösen sich die Wolken, die tagsüber noch für eine angenehme Klettertemperatur gesorgt haben, zunehmend auf und geben den Blick auf die Sterne frei. Da sich hier in der Nähe keine größeren Städte befinden die den Himmel ausleuchten, können wir einen tiefschwarzen Himmel mit unglaublich vielen Sternen sehen. Man erkennt sogar vereinzelt Galaxien und Gasnebel mit bloßem Auge. Auch einige Sternschnuppen und die internationale Raumstation können wir in dieser Nacht beobachten!

Lagerfeuer.

Da wir genau zwischen ein paar Bouldern übernachtet haben, können wir am nächsten Morgen, nach einem kurzen Frühstück, direkt nach dem wir aus unseren Schlafsäcken gekrochen sind wieder mit dem Klettern beginnen. Passenderweise befindet sich auch ein perfekter Aufwärmblock gleich in der Nähe, an dem wir uns auch noch ein paar zusätzliche Linien definieren.

genug geschlafen!

Nach dem Aufwärmen packen wir unsere Sachen zusammen, um während des Abstiegs zum Auto noch einige Boulder auf der anderen Flussseite zu machen. Als erstes klettern wir „Minimundus“, der zwar nur mit 5C bewertet ist, aber trotzdem super viel Spaß macht. Bei diesem Block zieht ein perfekter Riss durch ein weit ausladendes und sehr Steiles Dach – fast wie separate Reality in klein!

Mini-Separate-Reality.

Man kann diesen Block in zwei Varianten klettern: Entweder mit klassischer Risstechnik ohne die linke Wand (schwerer als 5C), oder man nimmt den Riss als Untergriffschuppe und verwendet die linke Wand als Tritt für Gegendruck. Auch beim Ausstieg hat man mehrere Möglichkeiten zur Auswahl und wir haben uns viel Zeit gelassen um alle durchzuprobieren.

Im Anschluss haben wir noch ein echtes Highlight gefunden, das ich die letzten Jahre im Sundergrund immer übersehen habe! Der Block heißt „Soon Forgotten“ und der einzige Boulder an ihm trägt den selben Namen. Die Linie ist mit 6B angegeben und zieht in einer perfekten, rechtwinkligen Verschneidung ungefähr fünf Meter lang an kleinen Taschen und Rissen bis zum Ausstiegshenkel empor. Von weitem sieht diese Wand recht unscheinbar aus, wenn man direkt davor steht wirkt die Verschneidung aber schon recht imposant durch ihre Höhe. Der ganze Block befindet sich noch dazu auf einer kleinen Anhöhe, was beim Klettern nochmal für etwas mehr Ausgesetztheit sorgt.

Wie erinnern uns sicher noch lange an diesen Boulder.

Am Anfang scheint dieser Boulder für die Kids noch unmöglich zu klettern. Nach einigen Versuchen sieht man aber schon kleine Vorschritte und nachdem alle Bewegungen verinnerlicht sind Fehlt nur noch der letzte Zug, von einer guten Tasche recht weit zur rettenden Kante. Da man sich hier schon ein paar Meter über dem Boden befindet, besteht die größte Schwierigkeit darin, sich zu trauen.

Fabi traut sich als erster, den Zug zu versuchen und toppt den Boulder. Till und Nici brauchen noch ein paar Versuche mehr, können aber schließlich auch oben raus klettern! Am Ende sind wir uns alle einig, dass dieser Boulder nun zu den schönsten gehört, die wir bisher im Zillertal geklettert sind.

Nach getaner Arbeit darf eine Abkühlung im Fluss natürlich nicht fehlen! Fabi rennt ein bisschen zu motiviert in Richtung Wasser und schlägt sich noch das Knie etwas auf, das lässt sich aber auch später noch verarzten…

Abkühlung im Bach.

Als es schon wieder fast Zeit zu gehen ist, suchen wir noch ein paar Boulder am Wegrand raus, die sich aber leider meist als ungeeignet entpuppen: Zu vermoost, gefährliches Absprunggelände oder einfach nur unschön zu klettern… Wir entscheiden uns also dazu, nochmal beim Gartenzwerg (6B) vorbeizuschauen, den wir schon im letzten Jahr versucht haben. Leider kommen die Kids bei diesem Dynamo noch immer nicht ganz zur Kante, eine gute Übung sind die Versuche an diesem Block aber trotzdem.

Als wir unsere Sachen wieder im Auto verstaut haben, gönnen wir uns noch Schnitzel und Kaiserschmarrn beim Gasthof in der Au. Wir hatten mal wieder ein super Wochenende und konnten viele coole Boulder klettern. Jetzt sind wir bereit für unsere Sommertour ins Maltatal!

Bis bald, Zillertal!