Diesmal sollte es etwas alpineres sein. Mehrere Seillängen, ein Gipfel am Ende der Tour, alpines Ambiente… All das findet man im Dammkar!

Es ist kurz nach neun, als wir den Parkplatz der Karwendelbahn bei Mittenwald erreichen. Vor uns liegt ein etwa zweistündiger Aufstieg zur Dammkarhütte, wo wir heute den Südwestpfeiler am Predigtstuhl klettern wollen. Da es am Tag zuvor recht ordentlich geschneit hat, wissen wir noch nicht, ob die Bedingungen für Nicis erste Alpinklettertour geeignet sind – wir wollen aber auf jeden Fall mal zur Hütte aufsteigen und einen Blick auf die Tour werfen.

Als wir den Südwestpfeiler während des Zustiegs das erste Mal zu Gesicht bekommen, sind wir überrascht, wie viel Schnee dort liegt! Gerade der eigentlich simple Abstieg über das große Geröllfeld sieht von hier recht glatt und anspruchsvoll aus. Aber auch in der Wand scheint stellenweise noch recht viel Schnee zu liegen.

Unsere Route führt nahe der rechten Kante nach oben.

An der Hütte angekommen machen wir erstmal etwas Brotzeit. Als ich mir gerade Kuchen und eine Spezi kaufe, fängt es auf einmal zu beben und zu scheppern an – oberhalb der gegenüberliegenden Wände hat sich eine Lawine gelöst, die sich nun staubend und tosend ihren Weg das Kar hinunter sucht. Bei der Hütte sind wir zwar sicher, etwas mulmig wird einem bei sowas aber schon!

Leider habe ich die Kamera etwas zu spät zur Hand um das ganze Außmaß der Lawine festzuhalten.

Über den Tag verteilt wird es noch einige weitere Lawinen geben. Unsere Tour, sowie der Zu- und Abstieg, liegen aber in sicherem Gelände und wir entscheiden uns dazu, zum Einstieg hinüber zu laufen und zu schauen, wie weit wir bei diesen Bedingungen kommen.

Zustieg zur Wand.

Am Einstieg angekommen wird Nici zunehmend nervöser, mit einem sonnigen Tag im Klettergarten hat das hier nämlich überhaupt nichts mehr gemein. Wir richten schnell die Seile her und ich beginne direkt mit dem Vorstieg der ersten Länge. Zum Glück ist Bernhard, Nicis Vater, dabei um Nici am Einstieg etwas zu beruhigen.

Nici wartet am Einstieg der Tour.

Die erste Seillänge der Tour hat ca. 30 Meter und bewegt sich Schwierigkeitstechnisch hauptsächlich im Vierer-Bereich. Im Topo sind ganze zwei Borhaken eingezeichnet, ich kann aber nur einen davon finden und lege selbst noch Material um die Absicherung zu verbessern. Die teilweise Schneebedeckten Schrofen machen die Aktion noch spannender und ich bin froh als ich den Standplatz erreiche.

Nici braucht die ersten 15 Meter um seine Psyche in den Griff zu bekommen, danach kommt er aber in einen guten Kletterfluss und klettert die restlichen Meter zum Standplatz zügig durch.

Nici und Bernhard kurz vorm ersten Stand.

Am Standplatz angekommen ist Nici entschlossen, nun auch den Rest der Tour durchzuziehen. Die nächste Seillänge sieht größtenteils trocken aus und ich mache mich, nach einer schnellen Materialübergabe, wieder an den Vorstieg.

Seillänge Nummer zwei ist direkt die Schlüssellänge der Tour und mit 25 Metern im oberen vierten Grad angegeben. Nici dachte am Tag zuvor noch, die Tour sei viel zu leicht, nach dieser Länge ist er aber froh, dass für heute nichts schwereres mehr auf uns zukommt. Die Schwierigkeiten beim Klettern im Gebirge sind eben nicht nur von den Graden abhängig.

Nici kurz nach der Schlüsselstelle.

Die nächsten 25 Meter sind im vierten Grad angegeben, aber nicht viel leichter als die Schlüssellänge davor. Ich habe mich inzwischen an die sparsame Borhakenabsicherung gewöhnt und bin wieder voll drin im Keile, Friends und Schlingen legen. Auch unsere Dreierseilschaft ist nun schon recht eingespielt und so erreichen wir alle zügig den dritten Standplatz.

Das Schwerste ist geschafft.

Ab jetzt wird es nicht mehr schwerer als 3+ und wir genießen die restlichen fünf Seillängen in genialem alpinem Ambiente. Da lassen wir uns auch von den ein oder anderen Schneeduschen und den stellenweise sehr nassen Platten nicht mehr aus der Ruhe bringen!

Alpines Ambiente in den letzten Seillängen.

Am Ausstieg angekommen entscheiden wir uns dazu, auch noch den restlichen Weg bis zum Gipfel des Südwestpfeilers zu gehen. Hier ist nochmal etwas alpiner Spürsinn gefragt, um unter dem Schnee den am wenigsten brüchigen Weg zu finden. Im Sommer ist das gar kein Problem, wenn man nicht sofort sieht wo man hintritt aber durchaus abenteuerlich!

Wildes Dammkar!

Als wir am Gipfel angekommen sind laufe ich schon mal etwas vor um den besten Weg für die Querung ins große Geröllfeld zu finden. Im Jahr zuvor bin ich durch eine recht brüchige Rinne ins Geröllfeld abgeklettert, die ich uns heute gerne ersparen würde. Zum Glück finden wir dann direkt einen angenehmen Weg mit dem wir alle weiteren Kletterstellen umgehen können.

Tolle Stimmung mit Schnee und Cumuluswolken.

Der Abstieg durchs Geröllfeld erweist sich als super easy, man kann fast wie auf Skiern hinunterrutschen! Unsere Zustiegsschuhe werden dabei zwar ziemlich nass, das mindert den Spaß aber überhaupt nicht.

Vom Geröll sieht man kaum was.

Wieder an der Hütte angekommen sortieren wir unser Material und trinken auf der Terrasse noch etwas. Nach ungefähr eineinhalb Stunden Abstieg erreichen wir wieder unser Auto im Tal und fahren zum Ausklang des Tages und zur Feier zu Nicis erstem Alpinklettergipfel noch nach Garmisch zum Italiener. Ich bin immer wieder begeistert, was man an einem Tag in den Bergen so alles erleben kann!