Wieder mal ganz spontan geht es für uns am Wochenende bei bestem Wetter zum Bouldern ins Zillertal. Als Ziel haben wir uns diesmal die Blöcke rund um die Kaseler Alm ausgesucht. Das Gebiet befindet sich in direkter Nähe zu den ewigen Jagdgründen und ist von München aus in etwa zweieinhalb Stunden erreichbar. Zustieg gibt es praktisch keinen und man findet hier mehr als genug Boulder für einen Tag!

Trotz der langen Fahrt ist die Stimmung im Auto super. Unser größtes Ziel für diesen Tag ist es, den Boulder Edelweiß (6B) zu schaffen, der 1998 von der Kletterlegende Jerry Moffat erstbegangen wurde. Diese Linie gehört sicher zum Besten, was das Zillertal in diesem Grad zu bieten hat!

An der Kaseler Alm angekommen klettern wir uns erstmal an einigen selbst definierten Bouldern ein, bevor wir das erste Mal in den Führer schauen.

Perfektes Wetter und super Stimmung!

Als wir uns etwas im Gebiet umschauen, fällt den Kids eine markante überhängende Kante auf, die sie als nächstes versuchen wollen. Hier geht es das erste Mal richtig zur Sache, man muss hier nämlich an kleinen Leisten und Slopern über den Überhang manteln. Im Führer ist diese Linie mit dem Namen Fangidifigidi mit 7B angegeben, allerdings nur, wenn man die kleine Leiste links um die Kante wegdefiniert und direkt zum Sloper zieht. In unserer Variante war es wohl eher im Bereich 6A – trotzdem ein sehr forderndes Problem, an dem die Kids einige Zeit rumprobieren müssen, bevor jeder seine persönliche Lösung gefunden hat!

Ein sehr schöner Block.

Für Till, Nici und mich ist das Abklettern des Blocks erstmal fast genauso spannend wie das Hinaufkommen, bis uns Fabi schließlich beweist, dass man hier nicht lange herumzumachen braucht, sondern einfach die steile Plattenrampe auf der gegenüberliegenden Seite herunterrutscht. Das sieht von oben deutlich schlimmer aus, als es ist. Höhenangst hat Fabi jedenfalls nicht!

Man muss sich erstmal trauen um hier runterzurutschen!

Als nächstes nehmen wir uns direkt den Jerry Moffat Boulder vor. Ich brauche selbst drei oder vier Versuche, bis ich den Boulder klettern kann und das auch nur, weil ich ihn vor ein oder zwei Jahren schon einmal gemacht habe und mich bald wieder an die richtige Bewegungsfolge erinnere. Die Crux besteht darin, auf einem schlechten Tritt stehend und an einer kleinen Leiste hängend sehr hoch anzutreten und anschließend recht wackelig aufzustehen um die rettende Kante zu erreichen. Das Ganze in ungefähr vier Metern Höhe! Der erfolgreiche Durchstieg ist, wie so oft beim Klettern, zu einem großen Teil Kopfsache. Beweglichkeit, Fingerkraft und eine große Portion Bewegungsgefühl darf hier aber auch nicht fehlen.

Ich kenne die Züge noch von einem vergangenen Durchstieg.

Till kann den Boulder als erster klettern und später holt sich, nach mehreren Kletterpausen, auch Fabi den Durchstieg. Nici hat Probleme die kleine Leiste für die linke Hand ganz oben zu erreichen und schiebt das auf seine etwas kleinere Körpergröße. Beim angekündigten letzten Versuch kann Nici den Boulder aber schließlich doch noch erstaunlich locker und sauber durchsteigen! Nach ungefähr zwei Stunden projektieren hat also wirklich jeder total verdient den Ausstieg erreicht und somit sicher ein ganz besonderes Klettererlebniss gehabt!

Im Anschluss klettern wir noch einige leichte Boulder an den umliegenden Blöcken, wie Murmentl (5C), Die Sau (5A) und eine Variante der Superpressung, eigentlich 7A, aber in unserer Version sicher nicht schwerer als 5C.

Nici in unserer Variante der Superpressung.

Als es uns an den zum Großteil in der Sonne liegenden Blöcken schließlich zu heiß wird, entscheiden wir uns dazu erstmal zur etwas schattigeren Zemmschlucht herunterzufahren und dort die nächsten Stunden am Fluss zu verbringen, bevor es abends wieder kühler wird.

Wir begegnen zum Glück keinen Riesenwellen!

Unser Crashpad haben wir zwar dabei, zum Klettern hat in der Hitze aber keiner große Lust. Nachdem wir ein paar Versuche an einem ziemlich sloperigen Dynamo gemacht haben, lassen wir unsere Klettersachen zurück und erkunden die Schlucht.

Hier waren wir schon im letzten Jahr.

Um weiter Flussabwärts zu gelangen muss man oft über die vielen Blöcke klettern die überall im Fluss verteilt liegen. Manchmal muss man sogar von Block zu Block springen um voran zu kommen!

Richtig abenteuerlich.

Als wir irgendwann ein schattiges Kiesbett erreichen entscheiden wir uns dazu, hier etwas länger Pause zu machen und ein paar Steine zu flippern bevor es wieder rauf zum Auto geht.

Ein schöner Platz zum Pause machen!

Wir beschließen nochmal zur Kaseler Alm raufzufahren. Eigentlich war unser Plan, abends noch ein paar Routen in den ewigen Jagdgründen zu klettern, die Kids haben aber mehr Lust auf Bouldern und wir haben ja auch noch lange nicht alle Blöcke dort abgehakt. Auf der anderen Seite der Straße befinden sich noch etliche Blöcke mit vielen wunderschönen Linien!

Als erstes klettern wir aber noch eine Platte, die wir zuvor ausgelassen haben.

Auf der anderen Seite der Straße angekommen tut sich auf einmal nochmal ein komplett neues Gebiet für uns auf. Die Blöcke liegen hier größtenteils im Schatten und wir geben nochmal ordentlich Gas!

Als erstes klettert jeder von uns Fong ma noch Font (6A), eine Platte mit kleinen Leisten, bei der man die richtige Trittfolge finden muss, um ans Ziel zu gelangen.

Fabi schiebt sich die Platte rauf.

Als nächstes ist Affenthaler (5B) auf der gegenüberliegenden Seite desselben Blocks dran. Dieser Boulder gehört sicher zu den schönsten 5Bs die ich bisher gemacht habe! Leicht überhängend, relativ hoch und mit weiten Zügen zu super Schuppen und Leisten! Wie zum Klettern gemacht…

Schöne Züge in perfektem Fels!

Die restlichen Linien an diesem Block bewegen sich fast ausschließlich im Grad 7A. Die Kids machen noch ein paar Versuche im Boulder Entschärft (7A), der von unten links (Sitzstart) bis zu Kante oben rechts einmal quer über den gesamten Block zieht, kommen aber nur ungefähr bis zu Hälfte. Auf jeden Fall gibt es hier noch genügend zu tun für die nächsten Jahre!

Hier sind die Griffe nicht mehr so gut.

Ein paar Meter weiter nach Norden, raus aus dem Wald, findet man noch ein paar größere Blöcke auf einer Wiese verstreut. Als erstes nehmen wir uns den kleinsten der Blöcke vor und klettern dort den Boulder S..F..W.. (6A). Der Durchstieg ist ziemlich geschenkt, einmal stützen und schon ist man oben – es gibt auf jeden Fall anspruchsvollere 6As. Trotzdem ist der Boulder witzig zu klettern und die Sache mit den Graden ist ja eh immer mehr ein grober Anhaltspunkt und individuell sehr unterschiedlich zu bewerten.

Abentliche Stimmung und angenehme Temperaturen.

Als letzten Boulder für diesen Tag haben wir nochmal ein echtes Highlight gefunden! Die Linie Too easy to fall too hard to do (6A) bietet feinste Kantenkletterei an Auflegern, offene Tür und scharfe Untergriffleiste inklusive! Am Ende wartet dann noch ein richtig fießer Sloper als Zielgriff, den man nur halten kann, wenn man ihn absolut ohne Schwung und direkt von unten greift. Perfekte Technikschule!

Nachdem die Sonne endgültig hinter den Bergen verschwunden ist packen wir unsere Sachen und machen uns erschöpft aber zufrieden auf den Weg zurück nach München. Wir hatten wieder mal einen perfekten Klettertag im Zillertal und konnten alle unser Projekt abhaken. Außerdem sind wir froh, den Fabi, der heute das erste Mal mit uns unterwegs war, als neustes Mitglied in unserer Gruppe dabei zu haben! Also dann, auf viele weitere schöne gemeinsame Klettertage!