Temperaturen bis zu 20° Celsius und den ganzen Tag über keine einzige Wolke am Himmel, das war der Wetterbericht für Christi Himmelfahrt dieses Jahr. Was bleibt uns also anderes übrig, als spontan eine Tour zu organisieren und den schul- und arbeitsfreien Tag zum Felsklettern zu nutzen?

Als Ziel entscheiden wir uns fürs Ötztal. Hier gibt es auf engstem Raum einige top Granitklettergebiete, fast immer ohne Zustieg. Als erstes fahren wir nach Tumpen, um dort einige Routen an der Engelswand zu klettern. Als wir die Wand gegen 10 Uhr erreichen liegt diese noch komplett im Schatten und es weht ein starker Wind. Von 20° und Sonne merkt man hier noch überhaupt nichts. Nach zwei Aufwärmtouren entschließen wir uns dazu, erstmal noch auf die Sonne zu warten, die in kürze in die Wand scheinen sollte. Da Nici am Tag zuvor Geburtstag hatte, haben wir einen Kuchen mitgebracht, den wir an unserem bereits sonnigen Lagerplatz essen, bis die Sonnenstrahlen schließlich auch die Wand erreichen.

Die Wand liegt noch im Schatten.

An der Engelswand gibt es derzeit 74 Routen, die meisten davon im sechsten Franzosengrad. Die Kletterei ist für die jeweiligen Grade durchwegs anspruchsvoll, weswegen man hier schon mal an einer 5b scheitern kann, auch wenn man woanders vielleicht locker eine 6a klettert.

Mit der Zeit gewöhnen sich die Kids immer mehr an den Fels und merken, dass man an dem rauen Granit wirklich auch jedes noch so kleine Käntchen antreten kann. Mit dieser Erkenntnis sind dann plötzlich auch anspruchsvollere Touren möglich!

Sophia in einer der Aufwärmrouten.

Leider nimmt der Wind immer mehr zu und es kommen auch immer mehr Kletterer zur Wand, bis man schließlich kaum noch freie Routen findet – auf einmal geht es zu wie in einer Kletterhalle! Zum Glück ist die Engelswand ja nicht die einzige Kletterwand im Ötztal und wir sind mit dem vor kurzem erschienenen Tirol Kletterführer von Michael Meisel bestens ausgerüstet um schnell eine Alternative zu finden.

Es wird immer voller!

Wir entscheiden uns für den Klettergarten Oetz, der nur wenige Meter ausserhalb von Oetz liegt, südlich ausgerichtet ist und genügend Routen für den restlichen Tag zu bieten hat. Der Klettergarten Oetz zählt zu den ältesten im Ötztal. Bereits 1975 wurden hier die ersten Routen eingerichtet, inzwischen sind aber alle Routen saniert und bestens abgesichert.

Die Kids versuchen sich direkt an einer 30 Meter langen 6a, die den Namen Amor trägt und nach oben hin zunehmend steiler wird. Leider scheitern sie an einem Zug im oberen Drittel, bei dem man entweder viel Reichweite haben, oder sich trauen muss, eine kleine Leiste zwischenzugreifen um die rettende Kante zu erreichen. Das ganze noch dazu ein gutes Stück über dem letzten Borhaken!

Am Ende des Tages kann Nici schließlich noch Dr. Mabuse (6a) punkten, eine ca. 15 Meter lange und trittarme Rissverschneidung, in der Nici ganz schön zu kämpfen hat und den Umlenker schließlich absolut verdient erreicht!

Nach dieser Tour sind wir uns alle einig, dass wir in Zukunft sicher noch mehr Granitgebiete in Nordtirol besuchen werden. Die klaren Linien mit ihren Leisten, Schuppen und Kanten machen einfach extrem viel Spaß zu klettern! Da kann man schon mal davon träumen in zwei oder drei Jahren die Ferien in Chamonix beim Alpinklettern zu verbringen…