Als wir uns am Freitagnachmittag in München getroffen haben sah das Wetter noch recht vielversprechend aus. Angesichts der eher schlechten Vorhersage für die nächsten beiden Tage waren wir aber froh, dass wir diesmal nicht mit Zelten unterwegs waren, sondern drei Holzhütten der Intensivstation im Frankenjura für uns reserviert hatten. Die Intensivstation bietet insgesamt Platz für 23 Personen, aufgeteilt auf Holzhütten verschiedener Größe und zwei Zimmer im Haupthaus. Die Eigentümer – Ulrike und Willi – sind selbst begeisterte Kletterer und kennen sich im Frankenjura bestens aus.

Nach etwa zweieinhalb Stunden Fahrt sind wir an unserer Unterkunft angekommen und haben im Eiltempo unsere drei Hütten bezogen, um das gute Wetter und das restliche Tageslicht noch zum Klettern nutzen zu können. Allein auf dem Gelände der Intensivstation gibt es fünf Felsen mit über 50 Routen zwischen dem 4. Und 10. Grad. Wir haben uns dazu entschlossen, ein paar Routen an der Nordwand des Hohen Ecks zum einklettern zu versuchen und waren erstaunt, wie ungewohnt das Klettern im Frankenjura erstmal sein kann, bis man sich an den löchrigen Fels gewöhnt hat.

Nach einsetzen der Dämmerung haben wir noch einen Boulder-Spot auf dem Grundstück gefunden, den man gut mit unseren Stirnlampen ausleuchten konnte. Da wir von der JDAV Sektion Oberland zwei komplett neue Seile und Crashpads geschenkt bekommen haben, waren wir total flexibel und konnten zwischendurch auch immer mal spontan ein paar Boulder probieren.

Nici beim Bouldern.

Zum Abendessen gab es an diesem Abend ein Hänchengeschnetzeltes mit Paprikagemüse und Reis und dazu einen super leckeren Feldsalat mit Walnusskernen, Birnen und Parmesan. Es war auch überhaupt kein Problem für Ulrike und Willi, dass wir erstmal noch Klettern gegangen sind und erst um viertel nach neun essen wollten.

Nach dem Abendessen haben wir noch in einer unserer Hütten den Kamin angemacht und bis nach Mitternacht zusammen Werwölfe gespielt.

Am nächsten Morgen haben wir uns aufgrund eines Tipps von Ulrike dazu entschieden, zum Klettern zur Elfenwelt zu fahren. Hier gibt es einige Routen im 6. Und 7. Grad und einen großräumigen und bequemen Platz am Wandfuß. Außerdem bleiben die Routen auch bei Regen noch länger trocken.

Es hat leider – wie befürchtet – recht schnell zu nieseln angefangen. Trotzdem konnten die Kids die Routen Palast der Hohen (6-) und Mondsichel (7-) teilweise sogar beim ersten Versuch durchsteigen. Die Mondsichel hat direkt eine anspruchsvolle Boulderstelle am Beginn, bei der man eine mondförmige scharfe Leiste halten muss ohne dabei von den kleinen und abschüssigen Tritten zu rutschen.

Nici beim Klettern in der Elfenwelt.

Nachdem der Regen zu stark wurde sind wir mit dem Auto weiter zur Klagemauer gefahren. Auf dem Weg dorthin haben wir Tills Großeltern getroffen, die in Erlangen wohnen und uns mit leckeren Wienern und einem selbstgemachten Kuchen versorgt haben. Vielen Dank dafür!

Die Klagemauer ist eine acht Meter hohe und stark Überhängende Wand mit vielen Routen im 9. Und 10. Grad. Man bleibt auf jeden Fall trocken wenn man drunter steht. Wir haben nur unsere Crashpads mitgenommen, um einige der Einstiege auszubouldern und uns selbst ein paar Boulder zu definieren. Leider waren auch hier schon einige Griffe nass, da das Wasser früher oder später durch den löchrigen Kalk immer einen Weg nach unten findet.

Till an der Klagemauer.

Zum Glück haben wir in unserem Kletterführer noch ein Verzeichnis mit allen Kletterhallen in der Nähe gefunden und uns kurzer Hand dazu entschlossen in die Fight Club Boulderhalle in Betzenstein zu fahren. Hier haben wir dann den restlichen Nachmittag verbracht.

Dynamo.

Zum Abendessen gab es diesmal ein sehr leckeres Kartoffelgulasch und dazu wieder einen Salat. Nach dem Essen haben wir unsere Hütte eingeheizt und wer noch nicht genug vom Klettern hatte, hat sich noch beim Tischbouldern ausgepowert, bevor wir dann beim Werwölfe spielen zur Ruhe gekommen sind.

Till beim Tischbouldern.

Am nächsten Tag sind wir zur Amerikanischen Botschaft zum Klettern gefahren. Die Wände sind südlich exponiert und bieten wunderschöne Kletterei, hauptsächlich im 7. Und 8. Grad. Nach einer kurzen Einweisung ins Rotpunktklettern konnten sich die Kids Routen aussuchen, die sie die nächsten Stunden projektieren und am Ende durchsteigen sollten. Die Entscheidung viel auf Ronald McDonald (7-) und First Lady (7-).

Während des Kletterns hat es immer wieder zu schneien angefangen, zwischendurch kam aber auch mal die Sonne raus – richtiges Aprilwetter eben. Bei der First Lady waren wir leider nicht besonders erfolgreich und haben uns deswegen recht schnell nur noch auf die Ronald McDonald konzentriert. Till und Nici konnten diese Route jeweils beim dritten Versuch punkten, wobei die ersten beiden Versuche bewusst nur zum ausbouldern genutzt wurden. Mit den Ansagen der beiden Jungs konnte Sophia die Route im Anschluss sogar flashen. Die Ronald McDonald beginnt mit einer technischen Plattenstelle, wird dann steiler und zieht an Löchern und Leisten über einen abweisenden Wulst zum Umlenker hinauf. Die größte Herausforderung für die Kids war, dass man sich trauen musste auch mal zwei bis drei Meter über dem letzten Haken in anspruchsvollem Gelände zu klettern.

Letztendlich haben alle Fortschritte – gerade im Bereich Taktik und Psyche – machen können und wir hatten viel Spaß, obwohl das Wetter diesmal nicht wirklich mitgespielt hat. Die Gastfreundschaft und das gute Essen der Intensivstation haben da wohl auch einiges an Regen wieder gut gemacht!

Jetzt geht's wieder nach Hause.