Unser Plan war, am Wochenende mit der Jugendgruppe spontan zum Felsklettern zu fahren, falls das Wetter mitspielen sollte. Nach mehrmaligem umplanen haben wir uns dann letztendlich für die Ewigen Jagdgründe im Zillertal entschieden. Mit über zwei Stunden Fahrt von München aus ist das Zillertal sicher kein Gebiet in nächster Nachbarschaft mehr, der sehr gute Wetterbericht, der perfekte Fels und der kurze Zustieg haben uns dann aber doch dorthin gelockt. Also schnell ein Stattauto reserviert und am Sonntag um sieben Uhr morgens ging es los in Richtung Österreich.

Als wir am Parkplatz ankamen war es noch sehr nebelig und der Fels sah komplett nass aus. Nach genauerer Inspektion stellte sich aber heraus, dass die meisten Routen gut kletterbar waren. Als dann schließlich noch die Sonne rauskam hatten wir bis zum Ende des Tages perfektes Kletterwetter!

Die Hängebrücke über den Bach.

Als erstes versuchten die Kinder die Route Goldköpfel (5b), die jeder beim ersten Versuch klettern konnte, obwohl wir zuvor mit den Kids noch nie am Granit waren und die Route mit technischer Riss- und Verschneidungskletterei ziemlich speziell war – sowas lernt man sicher nicht in der Halle. Besonders beeindruckt waren wir, als auch Leif die Route problemlos punkten konnte, obwohl er an diesem Tag das erste Mal am Fels klettern war! Wir haben die Route später auch noch selbst geklettert – geschenkt war die sicher nicht!

Als nächstes war dann die Streamer (6a+) dran, ein einziger Riss, bei dem man auch mal klemmen muss. Da fehlte dann doch noch etwas die Riss-Erfahrung. Nici konnte den Großteil der Route sauber piazen und hat dabei ein sehr gutes Bewegungsgefühl unter Beweis gestellt – leider fehlten dann aber noch ein paar Zentimeter bis zur rettenden Kante. Spätestens nach unserer Tour in den Odenwald hat sowas sicher jeder drauf!

Gleich am nächsten Eck haben wir dann die Kante (6b+) versucht. Im Führer steht: Kurze, anspruchsvolle Kantenkeltterei. Das kommt ganz gut hin. Da die Route mit ihren zehn Metern und der ca. drei Meter langen Crux gleich am Anfang eher was von „kurz bouldern und dann entspannt fertigklettern“ hat, fanden wir es realistisch, dass die Kids da auch Chancen in einer 6b+ haben.

Leif an der 6b+ Kante.

Am Ende hat es dann leider doch nur Nici bis zum Umlenker geschafft, das dafür aber gleich als erster Onsight und ohne lange rum zu machen. Bei den anderen hat wohl noch etwas das Vertrauen gefehlt auch mal auf sehr kleinen Tritten aufzustehen und einen Sturz zu riskieren ohne dabei hektisch und unkonzentriert zu werden.

Im Anschluss sind wir auf die Südseite des Felsens Wig gewechselt um den Klassiker El Schuppo (6a+) zu klettern. Ich habe mich selbst sehr gefreut, dass ich diese Route so locker durchsteigen konnte, nachdem ich sie vor ein paar Jahren nur mit mehreren Hängern geschafft hatte. Die Bewertung von 6a+ finde ich aber trotzdem etwas zu niedrig angesetzt. Die Route ist immer senkrecht bis leicht überhängend und von Anfang an fordernd. Da sie 15 Meter lang ist sollte man auch etwas Ausdauer mitbringen.

Die Sonne kommt raus.

Für die Kinder haben wir ein Toprope eingerichtet, damit sie die Route in Ruhe ausbouldern können. Die El Schuppo ist sicher eine der schönsten Touren in dem Grad die ich im Zillertal kenne, deswegen sind wir dann auch mindestens zwei Stunden an dieser Wand geblieben und haben, während die Kids projektiert haben, direkt daneben noch die Maracuja 6c+/7a gemacht, die ebenfalls wunderschöne Kletterei zu bieten hat!

Nici beim ausbouldern der El Schuppo.

Anschließend sind wir etwas durchs Gebiet gelaufen um noch eine Route für den Abschluss des Tages zu finden. Eigentlich wollten wir noch Das letzte Einhorn (6b) klettern, leider waren die Risse aber noch nass. Die Muttertag (7b+/c), die direkt an großen aber flachen Griffen durchs Dach zieht, war die einzige trockene Tour am Einhorn, für uns aber wohl noch etwas zu schwer…

Das letzte Einhorn im Vordergrund, Muttertag direkt durchs Dach.

Vom Einhorn sind wir also dann doch wieder zum Wig gegangen um dort die Via Lisa (5c) zu machen. Leider haben wir dabei komplett die Zeit vergessen und dann nach der Via Lisa sogar nochmal die Goldköpfl wiederholt.

Nici in der Via Lisa.

Nach einer längeren Abbau-Aktion und Stau an der Grenze waren wir dann mehr als zwei Stunden zu spät zurück in München. Dafür haben wir aber die Sonne an diesem Tag bis zum Ende ausgenutzt und jeder konnte wertvolle Erfahrungen im Granitklettern sammeln. Im Sommer geht es dann für mehrere Tage zum Bouldern ins Zillertal!