Osterferien in Arco, das hat bei uns nun fast schon Tradition. Eigentlich hatten wir für dieses Jahr geplant nach Kroatien zu fahren, weil wir für fünf Tage aber dann doch nicht so lange im Auto sitzen wollten, haben wir uns kurzer Hand zugunsten Italiens umentschieden.

Da wir schon am Donnerstagmorgen um sieben Uhr losgefahren sind, gab es bei der Hinfahrt kaum Verkehr und wir sind noch vormittags am Camping Zoo angekommen. Im Vergleich zum letzten Jahr haben wir uns dort ein richtig luxuriöses Lager aufgebaut: Ein riesiges Familienzelt für die Jungs, ein Mädelszelt, ein Zelt für die Jugendleiter, diverse Campingstühle und Tische und eine Campingküche. Letztes Jahr haben wir noch am Boden gegessen und unser Essen auf einem kleinen Gaskocher gekocht…

Unser Lagerplatz am Camping Zoo.

Nachdem wir unser Lager fertig aufgebaut hatten sind wir direkt zum Kletter- und Boudlergebiet Passo San Giovanni gefahren. Vom Campingplatz fährt man nur 15 Minuten bis zum Parkplatz von wo aus man dann nochmal 10 Minuten zu den ersten Kletterfelsen läuft.

In Passo San Giovanni kann man sowohl Bouldern als auch Seilklettern – wir hatten also natürlich auch unsere beiden Crashpads dabei um direkt ein paar einfache Boulder zu probieren und uns nach der Winterpause erstmal wieder ans Felsklettern zu gewöhnen.

Im ganzen Gebiet gibt es ca. 140 Boulder, wobei die meisten leichter als 6a sind. Die Probleme sind recht vielseitig, man findet von Platten bis hin zu Überhängen und Dynamos eigentlich alles und das Absprunggelände ist meistens gut.

Als wir das komplette Gebiet einmal grob durchquert hatten, haben wir auch noch ein paar Routen mit Seil gemacht. Direkt am ersten Felsen an dem man vom Parkplatz aus vorbei kommt findet man eine wunderschöne Kante, vermutlich im fünften Grad – perfekt geeignet um einen langen Klettertag ausklingen zu lassen.

Da wir am ersten Tag gleich möglichst viel Klettern wollten, sind wir abends zum Pizza essen in die Pizzeria Pace nach Arco gefahren anstatt selbst zu kochen. Hier waren wir schon im letzten Jahr und haben uns gleich im Voraus einen Tisch dort reserviert um auch genügend Plätze für neun Personen zu bekommen.

Abendessen in der Pizzeria Pace.

Wieder zurück am Campingplatz haben die Kids noch ausgiebig die neue Boulderwand vor Ort getestet. Nach ein paar Runden Werwölfe ging es dann schließlich ins Bett.

Die neue Boulderwand am Camping Zoo.

Am nächsten Morgen wurden wir nicht – wie erwartet – von einem schreienden Pfau geweckt. Der Pfau war so etwas wie das Markenzeichen vom Camping Zoo und wir wissen nicht wohin er verschwunden ist. Vielleicht wurde er ja von einer der zahlreichen Ziegen aufgefressen…

Nach dem Frühstück sind wir direkt in das Gebiet Belvedere aufgebrochen, das leider bedingt durch den sehr kurzen Zustieg recht schnell überlaufen war. Trotzdem konnten die Kids und wir einige Routen klettern und die super Aussicht auf den Gardasee hat die teilweise langen Wartezeiten auch wieder etwas ausgeglichen. Am Ende des Tages waren auf jeden Fall alle gut eingeklettert und bereit, am nächsten Tag auch mal etwas anspruchsvolleres zu versuchen.

Zum Abendessen gab es an diesem Tag ein Kartoffelgulasch mit reichlich Schwarzwälder-Speck.

Am Tag darauf haben wir uns nach längerem Überlegen dazu entschieden in das Gebiet Regina del Lago zu fahren. Wir waren im Vorjahr schon einmal dort und hatten den Fels als sehr gut in Erinnerung. Außerdem gibt es dort mehrere Sektoren, von denen wir auch noch nicht alle kannten. Ein weiterer Pluspunkt war, dass der Zustieg mit 30 Minuten etwas länger ist als in die meisten Gebiete und wir uns dadurch erhofften, dort nicht so viele Kletterer wie am Vortag vorzufinden.

Nach etwas umherirren sind wir schließlich im Sektor A angekommen und waren dort längere Zeit auch die einzigen Kletterer. Die Kinder konnten dort direkt einige 25 Meter Routen im Grad 6a punkten. Bei einigen Routen ist die Bewertung im Kletterführer und auf den Schildern am Wandfuß wohl etwas zu hoch angesetzt, bei manchen kommt sie nach unserer Einschätzung aber auch ganz gut hin. Auf jeden Fall eine super Leistung für den dritten Klettertag am Fels dieses Jahr!

Nici beim Durchstieg der Biancaneve (6a).

Nach dem Klettern ging es direkt noch zum Einkaufen für die restliche Woche. Zum Glück hatten wir schon im Voraus eine Liste mit allen Zutaten vorbereitet, was uns im Supermarkt viel Zeit und Nerven gespart hat.

Nachdem wir mit unserer Gruppe beim Fangen spielen alle anderen Kinder vom campingplatzeigenen Spielplatz vertrieben hatten, haben wir zusammen ein Limetten-Hänchen-Risotto gekocht. Zum Glück finden sich bei uns immer Kids die Lust aufs Kochen haben – das macht die Sache für uns Leiter deutlich angenehmer. Auch sonst gibt es kaum noch Diskussionen wer abspülen muss etc. – das ganze läuft inzwischen eigentlich wie von selbst.

Noch am Abend entschieden wir uns dazu am nächsten Tag ins Val Daone zum Bouldern zu fahren. Von Arco aus fährt man ungefähr eineinhalb Stunden bis Daone, dafür findet man dort ein top Bouldergebiet mit perfektem Granit vor, das garantiert nicht überlaufen ist. Da die Straße zu den oberen Sektoren jenseits des Stausees noch wegen Schnee gesperrt war, blieb uns nur der Sektor La Curva auf ca. 1200 Metern Höhe. Hier war es zwar etwas kälter als am Gardasee, als die Sonne rauskam konnte man aber doch die meiste Zeit im T-Shirt rumlaufen.

Zum Gebiet: Der Fels im Val Daone hat weltklasse Qualität und ist in etwa vergleichbar mit dem Granit im Zillertal. Das Absprungelände ist perfekt und Zustieg gibt es praktisch keinen. Von Platten bis zu Dächern findet man einige Probleme von leicht bis schwer – es sollte also für jeden etwas dabei sein.

Als erstes kletterten wir zwei Boulder am Block 6 bis zum fünften Fontainebleau-Grad zum warm werden und um uns vom Kalk der letzten Tage auf Granit umzustellen.

Danach ging es weiter zu Block 5 wo wir unsere Finger verzweifelt an einer 7a zerstörten. Leider kam von uns keiner bis zum Ausstieg, wir konnten aber am Ende doch einige kleine Bewegungsrätsel lösen und die meisten Einzelzüge klettern. Auch konnten die Kids hier ihre neuen Boulder-Bürsten die sie vom Osterhasen bekommen haben das erste Mal an den Microleisten testen.

Nach ausgiebiger Leisten-/Wandkletterei musste jetzt natürlich auch mal ein ordentliches Dach her. Block 10 sieht erstmal furchteinflößend überhängend aus, die meisten Kids konnten aber schon beim ersten Versuch über den Ausstieg rausklettern.

Sophia im Überhang von Block 10.

Voll motiviert ging es danach direkt zum nächsten Dach an Block 2, wo wir einige Zeit am Überhang Müller Thurgau (6c+) rumprobierten. Nächstes Jahr geht der bestimmt!

Nici im Dach Müller Thurgau (6c+).
Kletterpause und Sonne genießen.

Nachdem Block 2 im Schatten des gegenüberliegenden Berges verschwunden war, wollten wir noch einen leichteren Boulder zum Ausklang des Tages klettern. Etwas oberhalb der meisten Felsen im Wald haben wir also noch eine 6a am Block 17 versucht, die dann doch gar nicht so leicht war wie wir erst dachten. Hier musste man sich das Top doch nochmal verdienen und erstmal einige Versuche machen bis man seine persönliche Bewegungsfolge gefunden hatte.

Quentin konnte den Boulder als einer der ersten klettern.

Alles in allem hatten wir einen super Boulder-Tag und waren froh die etwas längere Anreise in Kauf genommen zu haben. Am Abend haben wir dann noch Minestrone mit Pancetta gekocht, einige Runden Werwölfe gespielt und haben uns schließlich satt und zufrieden in unsere Schlafsäcke zurückgezogen.

Nicis Hände nach vier Klettertagen.

Am nächsten Morgen gab es Rührei, Würstchen und Orangensaft zum Frühstück bevor wir uns daran machten unsere Zelte abzubauen. Leider war dieser Tag auch schon wieder unser letzter in Arco und wir beeilten uns mit dem Aufräumen um noch möglichst viel Zeit zum Klettern zu haben. Simon hatte am Tag zuvor entdeckt, dass es fast gegenüber von unserem Campingplatz auch ein Klettergebiet gibt, das nicht in unserem Führer beschrieben ist. Hier sind die Kids noch einige Routen bis 6a geklettert bevor das Wetter zu schlecht wurde.

Die ganze Zeit über hatten wir super Wetter, nur am letzten Tag hat uns dann doch noch der Regen erwischt. Wir haben uns dann spontan dazu entschieden noch zum Pasta essen zu gehen bevor wir uns wieder auf den Weg Richtung München machten.

Reichlich Pasta mit Parmesan.

Für den Rückweg haben wir uns dazu entschlossen wieder durch die super engen Sträßchen zu fahren die wir schon auf dem Hinweg genommen haben, da man sich so einiges an Strecke sparen kann. Leider habe ich es dann noch geschafft einen Außenspiegel unseres Stattautos zu beschädigen, beim Versuch Platz für zwei Fußgänger zu machen bei dem ich ein Holzbrett übersehen habe das im Efeu an einer Mauer versteckt war. Trotzdem war die Tour insgesamt für uns alle ein tolles Erlebnis das keiner von uns so schnell vergessen wird. Arco, wir sehen uns sicher wieder!