Meiner Meinung nach kommt das Zillertal – was die Qualität der Boulder angeht – schon fast an Fontainebleau ran, auch wenn man die Kletterei in den beiden Gebieten nicht wirklich vergleichen kann. Es gibt hier nicht so viel Masse und tendenziell eher schwerere Probleme, dafür fährt man aber auch nur zwei Stunden anstatt acht und das Ambiente ist mindestens genauso gut!

Freundlicherweise dürfen wir auf dem Grundstück des Gasthofs in der Au im Sundergrund unsere Zelte aufbauen. Wir haben zwar geplant direkt weiter oben bei den Bouldern zu biwakieren, da das Wetter nicht 100% sicher ist, sind wir aber froh noch ein Backup zu haben.

Auf dem Weg zu den Blöcken im Sundergrund.

Nach 20 Minuten Zustieg kommen wir an den großen Wiesen mit den Blöcken an und sind erstmal überrascht, dass die Brücke über den Fluss praktisch gerade nicht vorhanden ist, da sie im Moment renoviert wird. Balancieren über die Stahlträger ist also angesagt um unseren Lagerplatz für diesen Tag zu erreichen.

Hier muss man drüber um den Fluss zu überqueren.

Da die Sonne bald untergehen wird und die Kinder super motiviert sind, kommt das Aufwärmen ein bisschen zu kurz und wir machen uns direkt an den Klassiker Wackelpudding (6B), den Till auch direkt flasht. Bei den anderen fehlt leider noch etwas die Reichweite um die Kante zu erreichen. Zu diesem Zeitpunkt kannte ich die Variante am rechten Rand mit einem Dynamo direkt zu Kante noch nicht, die sicher für einige Kids interessant gewesen wäre. Naja, nächstes Mal dann!

Till flasht den Wackelpudding.

Als nächstes ist direkt ein weiterer Klassiker dran, nämlich der Traumriss (6A), an dem man an perfekten Rissen erst über den gesamten Block quert, um dann schließlich an der linken Kante oben raus zu klettern.

Arvid im Traumriss.

Direkt danach nehmen wir uns Klassiker Nummer drei vor, Sunstorm (5C), der an einer total freistehenden und leicht überhängenden Wand an deren linken Kante hinaufzieht und anstrengender ist als er erst aussieht.

Ein toller Block!

Da es langsam dunkel wird, packen wir unsere Isomatten und Schlafsäcke aus und bereiten schon mal alles für die Nacht vor. Wir kochen noch etwas Kakao und essen unsere Brotzeit, bevor wir uns schließlich in unsere Schlafsäcke verkriechen.

Unser Biwakplatz.

Mitten in der Nacht wachen wir auf, als es plötzlich zu regnen beginnt. Zum Glück finden wir recht schnell einen großen Überhang, unter den wir uns alle ins Trockene retten können und müssen nicht zu unseren Zelten absteigen. Am nächsten Morgen ist das Wetter wieder gut und der Fels schon wieder abgetrocknet.

Nach dem Frühstück muss abgewaschen werden.

Als wir unser Frühstück auspacken, werden wir von einer heraneilenden Ziegenherde überrascht, die es auf unsere Verpflegung abgesehen hat. Mit einem Stock ausgerüstet können wir die Tiere aber recht schnell davon überzeugen dass es bei uns nichts zu holen gibt. Im Laufe des Tages kommt es aber immer wieder zu witzigen Begegnungen mit aufdringlichen Ziegen.

Die Ziegen beobachten uns den ganzen Tag über.

Bis zum Mittag haken wir einen Großteil aller Boulder im Sundergrund bis 6B ab und gewöhnen uns immer mehr an die sloperigen Kanten und die scharfen Granitleisten.

Jetzt kommt erstmal die Sonne richtig hinter den Wolken und den umliegenden Bergen hervor und wir entschließen uns, erst mal eine ausgiebige Mittagspause am Fluss zu machen. Nach all dem was wir im Sundergrund nun schon geklettert sind, haben wir uns die Pause auch wirklich verdient.

Faul rumliegen muss auch mal sein!

Nach unserer Pause machen wir uns auf in Richtung Gasthof und nehmen noch alle Boulder mit die wir am Weg finden – was doch noch recht viele sind…

Abends werden wir im Gasthof in der Au mit Essen und Getränken versorgt. Der Gasthof ist wirklich nett und man kann jedem nur empfehlen dort noch einen Café oder ein Bier zu trinken nachdem man im Sundergrund zum Bouldern war.

Am nächsten Morgen packen wir alle unsere Sachen und machen uns auf den Weg zur Zemmschlucht. Hier gibt es jede Menge Flussbett-Boulder, die im Vergleich zu den Bouldern im Sundergrund deutlich runder und abgeschliffener sind.

Wo kommt man hier runter?

Der Zustieg erweist sich als recht spannend, da man von der Straße steil zum Fluss absteigen muss und dann direkt am oder im Fluss läuft um die richtigen Felsen zu finden. Dabei muss man immer wieder über glatte Blöcke klettern, die den Weg versperren.

Ein abenteuerlicher Zustieg.

Da es leicht zu nieseln anfängt, müssen wir uns mit den noch trockenen überhängenden Blöcken zufrieden geben. Zum Glück gibt es hiervon genug!

Auf dem Rückweg nach München finden wir am Rastplatz am Irschenberg noch eine Altkleidertonne und eine Straßenlaterne, die die Kids unbedingt auch noch hochklettern müssen. Also Crashpads auspacken und los!

Im Zillertal werden wir in Zukunft sicher noch oft unterwegs sein!