The Emerald Isle

Knapp 16 Stunden dauert unsere Überfahrt mit der Fähre von Cherbourg direkt nach Rosslare auf die grüne Insel – da wir über Nacht fahren vergeht die Zeit aber schnell und mit dem Schiff zu reisen ist auch viel spannender und angenehmer als lange im Auto zu sitzen. Außerdem belasten wir die Umwelt mit dem Schiff ca. 40 Mal weniger mit CO2/Person als mit einem Flug über die gleiche Distanz.

An Bord gibt es ein Restaurant wo wir ein überteuertes Kantinenessen zu uns nehmen und anschließend ein paar Runden Karten spielen. Eigentlich wollen wir noch einen Film im schiffseigenem Kino schauen, sind dann aber doch zu müde und schlafen bis kurz vor unserer Ankunft durch.

Wir erkunden die Fähre.

Als wir in Rosslare mit unserem Auto von der Fähre rollen sind wir alle gut gelaunt und sehr gespannt darauf, was uns in den nächsten drei Wochen erwarten wird. Bisher ist noch niemand von uns in Irland gewesen und unser aktueller Wissensstand über das Land sieht in etwa so aus:

  • Geklettert wird ausschließlich Trad, also mit mobilen Sicherungsmitteln.
  • Es gibt immerhin so viele Bouldergebiete, dass es einen knapp 300 Seiten dicken Führer dazu gibt (haben wir im Gepäck).
  • Es gibt Kobolde, Feen und Riesen.
  • Kobolde verstecken ihr Gold an den Enden von Regenbogen.
  • Es regnet oft (bedeutet viele Regenbogen, also auch viel Gold).
  • Irland gilt als die Wiege des „Cold-Water-Surfens“, das Wasser scheint also eher kalt zu sein.
  • Es gibt mehr Schafe als menschliche Bewohner auf der Insel (genau 1,17 Schafe pro Ire).

Außerdem ist Irland nur in etwa so groß wie Bayern, wir sollten also in den nächsten drei Wochen genügend Zeit haben alles in Ruhe anzuschauen und herauszufinden, was an den Gerüchten so dran ist.

Unsere Route geht im Uhrzeigersinn die Küste entlang.

Inch Beach

Vom Hafen aus fahren wir gleich los in Richtung Westküste. Unser erstes Ziel ist der Inch Beach im County Kerry – hier gibt es einen Campingplatz mit Surfboardverleih direkt am Strand und das nächste Bouldergebiet ist auch nicht weit. Auf dem Weg machen wir einen Stopp in Waterford, wo wir kurz durch die Stadt schlendern und uns im Gingerman Pub unser erstes Full Irish Breakfest gönnen.

Unser Campingplatz entpuppt sich als einfache Wiese mit minimalistischem Toilettenhäuschen. Die Anmeldung ist unkompliziert und der Übernachtungspreis super günstig. Als Quittung schreibt der Besitzer uns auf die Rückseite eines alten Briefumschlags einfach das Datum und wie viel wir bezahlt haben. Wir sind erst etwas unsicher, ob so ein Beleg für unsere Abrechnung mit dem Alpenverein ausreichen wird, spätestens nach den nächsten beiden Campingplätzen werden wir aber eingesehen haben, dass handgeschriebene Belege auf der Rückseite irgendwelcher alten Papierchen in Irland ganz normal sind.

Da wir die einzigen Gäste sind gibt es genügend Platz zum Frisbee spielen.

Für die nächsten beiden Tage leihen wir uns Softboards am Verleih direkt am Campingplatz aus. Von unserem Platz aus ist es nur ungefähr eine Minute Fußweg bis zum Strand wo schöne kleine Longboard-Wellen auf uns warten.

Mit den passenden Wetsuits ist auch Cold-Water-Surfen machbar.
Wir sind bereit für den kalten Atlantik.
Emma und Sophia testen unsere neuen Bodyboards.
Unsere Sachen trocknen am Schaf-Zaun.

Umgeben von den Kerry Mountains bietet uns der Strand eine wunderbare Kulisse. Nicht umsonst diente der Inch Beach und das County Kerry schon als Drehort für einige Filme, wie z.B. Star Wars (The Force Awakens / The Last Jedi) oder Ryan‘s Daughter.

Gap of Dunloe

Nicht weit entfernt vom Inch Beach finden wir im Führer ein kleines Bouldergebiet, das wir auch wegen des nicht allzu langen Zustiegs ausgewählt haben. Der kurze Zustieg entpuppt sich aber schnell als Irrtum, da wir mit unserem Bus die schmale Straße nicht hinauffahren können. Noch dazu herrscht auf der engen Straße reger Pferdekutschenverkehr und die Kutscher sind nicht besonders amused, als wir versuchen doch irgendwie mit dem Auto hinaufzufahren… Dann wandern wir eben hoch, so hat man wenigstens Zeit sich die schöne Landschaft anzusehen.

Die Straße führt uns weiter ins Tal hinein.

Mit der Straße ist es dann auch recht schnell vorbei und es geht weiter durch sumpfiges und wegloses Gelände den Berg hinauf. Viele Boulderer scheinen hier allgemein nicht unterwegs zu sein.

Wege zu den Blöcken gibt es nicht.

Bei den Blöcken angekommen haben wir eine schöne Aussicht über das Tal mit seinen Seen und die irische Landschaft. Die Boulder die wir finden sind allesamt lohnend und von guter Felsqualität.

Bouldern mit Aussicht.

Cliffs of Moher & Galway

Als ein paar Tage im County Kerry vergangen sind, machen wir uns weiter auf den Weg nordwärts die wilde Westküste entlang. Unser Ziel wird das County Donegal im Nordwesten Irlands sein, auf dem Weg wollen wir uns aber noch die Cliffs of Moher und die Stadt Galway anschauen.

Bei den Cliffs angekommen sind wir positiv überrascht, dass nicht alles abgezäunt und reguliert ist – sobald man den Bereich des Besucherzentrums und des Parkplatzes verlässt kann man die Gegend super auf eigene Faust erkunden und sogar direkt über den Rand der Klippen knappe 200 Meter in die Tiefe blicken!

Till genießt die Aussicht.
Wir blicken vorsichtig über den Abgrund.
Hier geht es knapp 200 Meter in die Tiefe.

Noch ein Irland-Film-Fact: Eine Szene aus Harry Potter and the Half-Blood Prince wurde an den Cliffs of Moher gedreht.

Die Cliffs of Moher mit der Felsspitze Branaunmore.

Etwas weiter nördlich der Cliffs of Moher befindet sich die Hafenstadt Galway, die 2020 Kulturhauptstadt Europas sein wird. Man findet hier viele kleine Restaurants die hervorragendes Seafood anbieten, sowie einige kleine Pubs und Geschäfte. Auf den Straßen ist überall Live-Musik zu hören und allgemein scheint die Stadt recht touristisch zu sein.

Wir besuchen ein kleines Musikgeschäft, essen Fish and Chips und hören den vielen Straßenmusikern zu.

Galway Street Club.

Eigentlich wollen wir am Abend noch eine Live-Musik-Session in einem der Pubs anhören, dürfen mit den Kids aber leider nicht so lange bleiben. Das müssen wir wohl später mal an einem weniger touristischen Ort nachholen.

Cold, Wet, Windy, Perfect

Im County Donegal finden wir einen netten Campingplatz am Rossnowlagh Beach. Da wir nachts ankommen, bauen wir unser Zelt einfach auf einem freien Platz auf. Als wir am nächsten morgen auf den Campingplatzbesitzer treffen, organisiert dieser aber direkt einen größeren und schöneren Platz für uns und wirft dafür seine ganzen Reservierungen über den Haufen! Außerdem berechnet er uns pro Übernachtung nur die Hälfte des Preises der auf der Website steht.

Bereit für den nächsten Regen.

Der nächste Surfshop mit Verleih ist von unserem Platz nicht weit und trägt den witzigen Namen Fin McCool. Heißt der Dude wirklich so? Nein, bei dem Besitzer handelt es sich tatsächlich um den irischen Surf-Pionier und Bigwave-Surfer Neil Britton, der diesen Shop mit Surfschule im Jahr 2006 eröffnet hat.

Neil Britton in seinem Element. Mullaghmore, Co. Sligo.

Wie anscheinend in Irland üblich zahlen wir für unsere Boards wieder deutlich weniger als auf den Preistafeln angekündigt und bekommen als Beleg eine handgeschriebene Notiz auf der Rückseite eines Flyers.

Die Fin McCool Surfschule ist unser Stützpunkt.

Von hier aus Surfen wir abwechselnd an den Stränden Rossnowlagh Beach und Strandhill, die wir entweder von der Surfschule direkt zu Fuß oder mit einer kurzen Autofahrt erreichen.

An das kalte Wasser haben sich inzwischen alle halbwegs gewöhnt, außerdem stehen auf den Shirts von Fin McCool Sprüche wie „cold, wet, windy, perfect“ oder „warm water is for the weak“ – weak wollen wir natürlich nicht sein…

Alle Boards sind an Bord.
Wir haben eine große Auswahl an Boards dabei.
Longboards.
Heute wird es noch 5-Sterne-Wellen geben.

Nach dem Surfen genießen wir frisches Seafood im Smugglers Creek mit Aussicht über den Rossnowlagh Beach.

Real Climbing

In der Nähe des kleinen gälischen Dorfs Malin Beg wollen wir uns etwas ans Tradklettern herantasten, also an das Klettern ausschließlich mit mobilen Sicherungsmitteln ohne Borhaken. In Irland wird ausschließlich Trad geklettert und direkt auf den ersten Seiten unseres Kletterführers wird erklärt, dass nur TradkletternReal Climbing“ ist.

Zustieg zu den Sea-Cliffs.

Die Wand, die wir uns herausgesucht haben, trägt den Namen „Neptune’s Wall“ und ist, wie der Großteil der irischen Kletterwände ein Seacliff, also direkt an der Steilküste über dem Meer gelegen.

Es gibt wohl kaum einen besseren Ort um mit den Kids das erste Mal das Legen von Friends und Keilen zu üben. Der gut strukturierte Quarzit bietet zahlreiche Möglichkeiten in ungefährlicher Umgebung um einfach mal ein paar Sicherungen zu platzieren.

Anschließend bewerten wir unsere Placements und diskutieren über mögliche Verbesserungen.

Daumen hoch oder Daumen runter?

Leider bleibt nicht viel Zeit um wirklich in den Routen zu klettern, da die Flut bald den Wandfuß überspült – daran haben wir überhaupt nicht gedacht. Für die Zukunft haben wir jetzt aber Gezeitentabellen auf den Handys und werden Ebbe und Flut mit in die Planung einbeziehen.

The Reel Inn

In der kleinen Stadt Donegal finden wir ein noch kleineres Musikgeschäft in dem sich Nici eine Tin Whistle und Till eine Bodhrán kaufen. Der Verkäufer hat auch gleich noch einen Tip für uns, wo wir heute Abend traditionelle irische Livemusik hören können: Wir sollen doch einfach mal im Reel Inn vorbeischauen, da sollten wir seiner Meinung nach auch mit den Kids abends keine Probleme bekommen und wenn wir Glück haben wird vielleicht auch ein Bodhrán spieler dort sein.

Ein kleiner Musikladen in Donegal.

Sicherheitshalber schauen wir direkt mal im Reel Inn vorbei und fragen nach, ob es in Ordnung ist mit den Kids abends vorbeizukommen. Die nette Dame an der Bar kann gar nicht glauben, dass wir in Galway abends aus dem Pub geschmissen wurden und versichert uns, dass das in Donegal auf keinen Fall vorkommen würde. Die Pubs seien schließlich ein Treffpunkt für alle Leute und sie freuen sich auch über Familien und Kinder und wenn wir ein Instrument spielen können oder etwas singen möchten, dann seien wir dazu auch herzlich eingeladen (sie hat wohl gemerkt, dass wir gerade einkaufen waren).

Da wir bis zum Abend noch etwas Zeit haben, laufen wir noch durch die Stadt und suchen ein Restaurant aus, in dem wir natürlich wieder den Klassiker probieren: Fish and Chips.

Fish & Chips.

Gegen 21 Uhr trudeln wir dann im Reel Inn ein und bekommen sogar noch Sitzplätze neben den Musikern. Tatsächlich spielen auch immer wieder Gäste aus dem Publikum mit ihren Instrumenten mit oder singen den ein oder anderen irischen Klassiker.

Die Zeit bis die Musik beginnt vertreiben wir uns mit Kartenspielen.
Nici im Reel Inn.

Wir trauen uns, Dank der lockeren Stimmung, schließlich auch und spielen Sally Gardens, das heißt Nici singt und ich begleite ihn auf meiner neu erworbenen Low Whistle zusammen mit den anderen Musikern.

Nici singt im Reel Inn.

Unsere Darbietung ist zwar nicht perfekt, die Leute sind aber trotzdem total begeistert und können gar nicht glauben, dass wir keine Iren sind.

Beim Hinausgehen entdecken wir noch ein Schild mit der Aufschrift „Irelands Pub oft the Year“, die Auszeichnung hat sich das Reel Inn wirklich verdient. Wir wurden dort sehr herzlich empfangen, auch wenn die Aussicht auf viel Umsatz bei unserer Gruppe wohl eher nicht gegeben war.

Irelands pub of the year.

Polldoo Glen

Noch zwei vielversprechende Bouldergebiete im County Donegal haben wir uns herausgesucht, bevor es weiter nach Nordirland gehen soll. Ein Gebiet liegt abgelegen in den Bergen, das andere direkt an einem Strand.

Als erstes besuchen wir das Gebiet Polldoo Glen, das etwas im Landesinneren in den Hills of Donegal liegt. Wir folgen der Anfahrtsbeschreibung in unserem Führer über immer kleiner werdende Straßen (im Führer als rough track beschrieben), bis wir schließlich, mitten im Nichts, neben einem Haus und einer verschlossenen Schranke stehen, die im Führer keine Erwähnung findet. Zum Glück ist die Bewohnerin gerade zuhause und öffnet uns die Schranke, so dass wir gut parken und den restlichen Weg zu Fuß aufsteigen können.

Noch gibt es einen Weg.

Nach ein paar Minuten erreichen wir den „Parkplatz“, von dem im Führer die Rede war, von hier aus sieht die weitere Wegbeschreibung in etwa so aus: „Bushwhack through the forest untill you reach the river“… Der Wald entpuppt sich als ziemlich sumpfig, aber zum Glück haben wir alle die richtigen Schuhe dabei. Nicht. Wenigstens müssen wir uns keine Gedanken wegen Schlangen machen, da St. Patrick Irland ja von seiner Schlangenplage befreit hat.

Als wir den Fluss erreichen ist schnell eine Stelle zum Überqueren gefunden. Der Wald ist hier zu Ende und es geht weiter geradewegs den Hügel hinauf.

Der kleine Fluss ist schnell überquert.

Wie immer sind wir die einzigen Boulderer vor Ort und sehen bis zum Horizont kein Anzeichen von Zivilisation. Die Blöcke liegen sehr verteilt in dem riesigen Areal verstreut und warten darauf geklettert zu werden.

Fast wie im Zillertal, nur mit weniger Bäumen.
Es geht weglos die grasigen Hügel hinauf.
Die Blöcke liegen verteilt auf den Hügeln.
Fabi am Block The Butterbean.
Manchmal nieselt es ein wenig.
Pause muss sein.
Hier kann man es aushalten.

Das Wetter ist an diesem Tag wieder mal sehr wechselhaft. Sonnenschein wechselt sich mit Wind und Nieselregen ab, die Felsen sind aber immer gut kletterbar, da es nie besonders lange regnet und der Wind alles schnell wieder trocknet, oder gar nicht erst nass werden lässt. Bisher hat uns das irische Wetter noch nicht daran gehindert das zu machen, was geplant war und so schlimm wie anfangs befürchtet ist es wirklich nicht – man gewöhnt sich sehr schnell daran ab und zu mal etwas nass zu werden, das gehört einfach zu Irland dazu und dafür hat man ja auch Regenkleidung dabei. Ohne den vielen Niederschlag wäre die grüne Insel wohl auch nicht so schön grün und an jeder Ecke gibt es Pubs und kleine Restaurants, die dazu einladen einen Tee oder eine warme Suppe zu essen, wenn es gerade mal regnet.

Nach dem Bouldern gibt es Tee und eine warme Suppe.

Carrickfinn

Das Bouldergebiet bei Carrickfinn liegt direkt an einem idyllischen Sandstrand. Zur Abwechslung haben wir hier mal überhaupt keinen Zustieg und den ganzen Tag über gutes Wetter – trotzdem sind wir wieder die einzigen Boulderer vor Ort. Bouldert sonst überhaupt noch jemand in Irland?

Noch ist viel Platz zwischen Wasser und Wand.
Der Fels sieht vielversprechend aus.

Der Fels ist super griffig und das Absprunggelände sehr gut. Wir haben inzwischen auch dazugelernt und so geplant, dass uns die Gezeiten diesmal nicht in die Quere kommen – bei Flut steht das Gebiet nämlich unter Wasser, bis dahin haben wir aber noch gute sechs Stunden Zeit.

Im Wasser entdecken wir eine kleine Gruppe Delfine, die gemütlich die Küste entlang schwimmt und teilweise nur 20 Meter von uns entfernt ist.

Man kann gut zwei Rückenflossen erkennen.

Unsere Zeit im County Donegal ist nun fast vorüber – morgen soll es weiter nach Nordirland gehen, wo wir den Giant’s Causeway, Belfast und ein Bouldergebiet in den Mourne Mountains besuchen möchten um dann entlang der Ostküste wieder in Richtung Süden zu reisen.

Giant’s Causeway

Unser erster Stopp in Nordirland ist der Giant’s Causeway. Wir sind erst irritiert, dass wir anscheinend 10 £ pro Person zahlen müssen (Ja, Nordirland gehört zum United Kingdom, es gibt hier also Pfund und die Geschwindigkeit wird in Meilen pro Stunde gemessen…), wir finden aber schnell heraus, dass man auch einfach einen öffentlichen Weg zum Damm des Riesen laufen kann und so nichts zahlen muss.

Wir laufen über öffentliche Wege zum Giants Causeway.

Passend zur rauen Küste gibt es raues Wetter, was den Vorteil hat, das wir wieder mal die einzigen Menschen vor Ort sind.

Gischt spritzt über die Felsen.

Da wir nicht knappe 100 £ Eintritt gezahlt haben, bleibt uns der Eintritt zum „Giant’s Causeway Visitor Center“ zwar verwehrt, Wikipedia liefert uns aber dafür gratis die passende Backstory zur Entstehungsgeschichte der seltsamen sechseckigen Steine:

Laut einer irischen Legende wurde der Damm vom Riesen Fionn mac Cumhail, auch genannt Fin McCool (AHA, daher der Name unseres Surfshops am Rossnowlagh Beach!) gebaut. Man sagt, dass Fin eines Tages von seinem schottischen Widersacher Benandonner so stark beleidigt wurde, dass er sich dazu entschloss, diesen Damm zu bauen, um Benandonner in einem Duell zu besiegen. Er riss riesige Felsen aus den Klippen der Küste heraus und stemmte sie in das Meer, um einen sicheren Weg nach Schottland zu bauen. Als er mit dem Bau fertig war, forderte er Benandonner zum Kampf heraus. Um seinen Ruf nicht zu verlieren, blieb diesem nichts anderes übrig, als die Herausforderung anzunehmen, und so machte er sich auf den Weg nach Irland. Fin, den die Arbeiten an dem Damm ermüdet und erschöpft hatten, suchte derweil nach einem Ausweg, wie er sich vor dem Aufeinandertreffen mit dem schottischen Riesen erholen könnte. Er verkleidete sich daraufhin als Baby und wartete mit seiner Frau auf die Ankunft Benandonners. Als dieser erschien, beteuerte Fins Frau ihm, dass er gerade nicht da sei. Gleichzeitig lud sie ihn auf einen Tee ein und versprach, Fin werde bald zurückkommen. Als Benandonner beim Warten das angebliche Baby sah, erblasste er bei der Vorstellung, dass bei der Größe des Kindes der Vater gar gigantische Ausmaße haben müsse. Die Furcht packte ihn und er rannte über den Damm zurück nach Schottland und zerstörte ihn dabei hinter sich.

Hört sich plausibel an und tatsächlich taucht der Damm an der schottischen Küste wieder unter dem Namen Fingal’s Cave auf.

Fast wären wir nass geworden.

Belfast

Als Hauptstadt Nordirlands und zweitgrößte Stadt der irischen Insel nach Dublin, durfte Belfast auf unserer Irland-To-Do-Liste nicht fehlen. Nach einer komplizierten Parkplatzsuche (mit unserem Bus passen wir nicht in Parkhäuser), laufen wir erstmal planlos durch die Stadt und schauen uns etwas um.

Belfasts Innenstadt.

In Belfast befinden sich fast ausschließlich rote Ziegelhäuser, was der Stadt ein besonderes Flair verleiht. In den Nebenstraßen finden wir viele alternativ angehauchte Läden, die gut in das urbane Stadtbild mit seinen vielen Graffitis passen.

Je weiter wir uns vom Zentrum entfernen, desto mehr leerstehende Häuser finden wir und desto mehr Müll befindet sich auf den Straßen.

Belfasts Straßen.
Im Plattenladen.

Wir machen uns auf den Weg zum River Lagan, wo wir das Wahrzeichen der Stadt besuchen wollen: Den Salmon of Knowledge.

Laut einer irischen Legende hat ein Lachs neun Haselnüsse von neun magischen Haselnussbüschen gegessen und so das gesamte Wissen der Welt erlangt. Das Wissen soll auf die Person übertragen werden, die als erstes vom Lachs isst und wer könnte das anderes gewesen sein als Fin McCool. Eigentlich hat Fin den Fisch aber nur für seinen Vater zubereiten sollen, sein Vater hat immerhin neun Jahre lang nach dem Lachs gefischt. Beim Kochen hat sich Fin aber den Daumen mit heißem Fett verbrannt, daraufhin an seinem Daumen geleckt und so selbst das gesamte Wissen der Welt erlangt.

Salmon of Knowledge.

Mourne Mountains

Als letztes Bouldergebiet für diese Tour machen wir uns auf den Weg in die Mourne Mountains, etwas südlich von Belfast an Irlands Ostküste. Der Zustieg dauert fast zwei Stunden, wir haben aber dabei einen wunderschönen Blick aufs Meer und sehen bis zur Isle of Men hinüber. Irlands Ostküste ist viel zahmer und das Klima deutlich milder als an der Westküste – wir können bei Sonnenschein im T-Shirt herumlaufen.

Im Gegensatz zur Westküste ist das Klima fast Mediterran.
Immer weiter geht es die Berge hinauf.

Der Weg führt uns schließlich zur Mourne Wall, einer Mauer die 35 Kilometer lang ist, ein Gebiet von 36 Quadratkilometern umschließt und dabei über 15 Gipfel läuft. Die Mauer wurde um 1900 herum von den Belfast Water Commissioners errichtet, um die Qualität des Trinkwassers zu sichern, das aus den Mourne Mountains nach Belfast geleitetet wurde und immer noch wird.

Im Hintergrund erkennt man die Mourne Wall.

Von der Mauer führt uns der Weg noch ein paar Minuten weiter hinauf auf den Gipfel des Chimney Rock Mountain, auf dem die Boulder gelegen sind. Oben angekommen haben wir einen tollen Rundumblick über die Mourne Mountains mit ihrer Mauer und das Meer.

Berge und Meer.

Der Boulder, an dem wir die meiste Zeit verbringen, ist nicht umsonst auf dem Cover unseres Führers abgebildet. Die Linie durch die Zentrale Platte trägt den Namen „Cloud 9“ und ist mit 6b bewertet, fühlt sich aber sehr hart für den Grad an. Fabi ist schließlich der einzige, der diesen Boulder aussteigen kann. Zum Glück gibt es am selben Fels aber auch noch einfachere Probleme.

Fabi am Boulder Cloud 9.
Fabi am Boulder Cloud 9.
Fabi am Boulder Cloud 9.

Beim Abstieg finden wir eine kleine Gumpe, in die manche von uns noch kurz springen. Wer hätte gedacht, dass es uns in Irland mal so warm wird, dass wir eine Abkühlung brauchen…

Gumpe mit Meerblick.

Dublin

Die Hauptstadt der Republik Irland wird der letzte Stopp auf unserer Reise sein, bevor es zurück nach Hause geht.

Etwas nördlich der Stadt haben wir unser Lager auf einem kleinen und gemütlichen Campingplatz am Meer errichtet. Für zukünftige Touren haben wir uns noch ein Aufenthaltszelt gekauft, damit wir auch bei Regen immer einen trockenen Platz zum Kochen und Essen haben.

Unser neues Aufenthaltszelt.

Bevor es ins Zentrum von Irlands Hauptstadt geht, halten wir etwas außerhalb noch bei einem Instrumentenbauer, McNeela Instruments, um die Werkstatt zu besichtigen und die traditionellen irischen Instrumente anzusehen.

Nici testet Whistles im McNeela Instruments.
Eine handgemachte Bodhrán.

In Dublin angekommen besichtigen wir als erstes den Park bei der St. Patricks Cathedral. Im Gegensatz zu Belfast erinnert Dublin eher an eine echte Metropole. Mit knapp einer halben Million Einwohnern ist die Stadt auch fast doppelt so groß wie Belfast und mit Abstand die größte Stadt auf der irischen Insel.

Unsere Gruppe vor der St. Patrick's Cathedral.
Die St. Patrick's Cathedral erinnert fast etwas an Harry Potter.

Weiter geht es entlang des River Liffey ins Viertel Temple Bar.

Nici und Jakob blicken über den River Liffey.
Blick über den River Liffey.

Temple Bar hat sich, im Gegensatz zu den umliegenden Stadtvierteln seine frühneuzeitlichen Straßenzüge mit vielen engen kopfsteingepflasterten Gassen erhalten und gilt als Kulturviertel Dublins.

In den Straßen von Temple Bar.
Im Temple Bar Pub, das den selben Namen trägt wie das Stadtviertel.
In einem Süßigkeitenladen.

Nach einem kleinen Mittagessen schlendern wir noch über den Campus des Trinity College, wo gerade Semesterbeginn ist und die verschiedenen Fakultäten, Sportmannschaften und Interessengemeinden mit zahlreichen Ständen ihre Angebote präsentieren. Nachdem wir noch einen Blick in diverse Läden geworfen haben geht es schließlich wieder zurück zum Auto.

Back to the continent

Drei Wochen sind vergangen seitdem wir auf der grünen Insel angekommen sind. Auf unserer Rundreise konnten wir uns ein gutes Bild über Land und Leute machen. Wir haben viele schöne Orte entlang der rauen Küste besuchen können und ein Gefühl dafür bekommen, woraus die irischen Mythen und Legenden wohl entstanden sind. Die freundlichen und hilfsbereiten Bewohner (die Menschen, nicht die Schafe) haben uns allesamt herzlich empfangen und uns Einblick in ihre Kultur gewährt. Das Wetter war nicht so schlimm wie erst befürchtet, das Wasser aber tatsächlich recht kalt. Dafür hat man einige der besten und schönsten Surfstrände Europas an der Westküste versammelt und mit passendem Neoprenanzug sind die Temperaturen absolut kein Problem. (Trad)Klettern und Bouldern kann man in Irland sehr gut, noch dazu hat man die wunderschön gelegenen Gebiete meist für sich alleine.

Abendessenszeit.

Für uns geht es jetzt wieder zurück ans Festland. Obwohl die Fährfahrt etwas länger dauert als bei der Anreise, vergeht die Zeit sehr schnell. Diesmal schaffen wir es sogar noch ins Kino wo wir uns Jumanji anschauen. Anschließend verkriechen sich alle in ihre Schlafsäcke und schlafen den Großteil der Überfahrt.

Land in Sicht.